Live In Ausgabe Februar 2016


Liebe Leserinnen, liebe Leser,

es ist schon ein Kreuz mit der Gerechtigkeit. Justitia ist nicht blind, kommt es einem zuweilen vor, sie hat sich einfach die Augen verbunden, um so manche Farce nicht mit ansehen zu müssen.

Wir erinnern uns: Da wird ein nach weitverbreiteter Meinung korrupter, soziopathisch-gewalttätiger Drogenfahnder in Haft und zur Therapie geschickt, ganz wie es die gegenwärtige Rechtslage vorsieht. Was offen bleibt ist die Frage nach der Herkunft von 1,8 kg Kokain, die nicht endgültig geklärt wurde. Wer noch Licht in das Dunkel hätte bringen können, wäre eine Polizeibeamtin gewesen, deren DNA-Spuren nachweislich auf dem Verpackungsmaterial des Rauschgifts zu finden waren. Dieses Verfahren wurde jüngst nach einem Jahr eingestellt. Hier besteht offenbar trotz der sonst vergleichsweise repressiven Drogenpolitik Bayerns wohl kein Interesse an der Aufklärung. 

Dem Freistaat Bayern haftet auch der Ruf der Amigowirtschaft an, die hier quasi zum Brauchtum gehört und gut funktioniert. Das kann man wohlwollend oder kritisch, wie in einem aktuellen Beispiel sehen. Oder was hält man davon, wenn ein Multimillionär, der Steuerhinterziehung wie ein Hobby betrieben hat und den Staatsapparat um wichtige Einnahmen brachte, frühzeitig aus der Haft entlassen wird. Man kann nur spekulieren aus welchen Gründe, aber vielleicht waren seine Erfolge im Dienste eines populären Fußballclubs auch ausschlaggebend. Zur gleichen Zeit macht sich eine xenophobe Haltung in der Bevölkerung breit und einige Zeitgenossen meinen, es wäre ungerecht Menschen zu helfen, die auf der Flucht vor Hunger, Armut und Krieg sind.

Nicht besser macht es da der Abschied von Ikonen wie Lemmy Klimister oder David Bowie. Die letzten ihrer Art sozusagen. Wir haben noch gut im Gedächtnis, wie wir uns bei LIVE IN und in 0831 - Die Kemptener Stadtzeitung auf das Konzert von Motörhead in der bigBOX gefreut haben und die Band mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln bestmöglich zu präsentierten. Sehr zu unserem Bedauern und dem vermutlich jeden Rockfans im Allgäu fiel das Konzert krankheitsbedingt aus. Nun hat Mr Kilmister sämtliche Live-Auftritte von seinem Tourplan streichen lassen. Bekanntlich aufgrund eines anderweitigen Engagements.

Und wie schnell wir doch vergessen können. Gerade eben noch haben einige überraschend gut organisierte Fanatiker die französische Hauptstadt mit einer Spur der Gewalt überzogen und dabei weder vor Fußball noch Rockmusik halt gemacht, da wenden wir uns dem Alltag zu und freuen uns auf das nächste Konzerthighlight in Stadien, auf Festivals oder Eventhallen.

Gott sei Dank!

Wir halten unseren Blick zumindest weiterhin gerichtet auf die Dinge, die vor uns liegen und vergessen nicht, was uns auszeichnet. Verantwortung für unseren Planeten und unsere Mitmenschen zu übernehmen (Naturschutztipps auf Seite 9), selbständig zu sein (LIVE IN Bildungsoffensive auf Seite 16) und die schönen Dinge im Leben zu genießen. Und dazu gehören unserer Meinung nach eben auch Kunst, Kultur, Livemusik und mit Freunden feiern.

Wir freuen uns darauf, im regen Austausch mit Euch, unseren Lesern, nach vorne zu schauen und Euch weiterhin zur Seite zu stehen, wenn es um die gute Sache geht.

Bleibt kritisch, aufrichtig und lustig,

Euer Allgäu LIVE IN 

epaper